Interview mit Prof. Ulrich Exner

Prof. Ulrich Exner engagiert sich für das Hilfswerk Ukraine in Projekten zur technischen Orthopädie für Kriegsopfer. Seit Beginn des Krieges im Jahr 2022 gibt er sein Fachwissen zwar nicht als Beauftragter des Hilfswerks, aber in enger Kooperation und Abstimmung mit diesem während mehrerer Aufenthalte in der Ukraine an lokale Fachkräfte weiter. Im Oktober 2025 und im April 2026 traf er sich mit unserem Mitarbeiter Sergey Tomashkov und konnte gemeinsam mit ihm die Renovierungsarbeiten am Kinderheim in Livchitsy begutachten, die dank Ihrer Spenden von uns finanziert wurden.
Wir haben mit Prof. Exner über seine langjährige medizinische Hilfsarbeit in der Ukraine, seine persönlichen Eindrücke vor Ort sowie die Bedeutung nachhaltiger Unterstützung durch das Hilfswerk Ukraine gesprochen. Nachfolgend finden Sie eine Zusammenfassung des Gespräches.
Persönlicher Hintergrund und Engagement
Prof. Exner ist seit 2002 regelmässig im Westen der Ukraine tätig. Sein Engagement entstand über Kontakte zu Pater Hotz von der ehemaligen «Hilfsaktion Westukraine» und zu Jürg Streuli, dem Vereinsvorsitzenden des Hilfswerks Ukraine. Der Schwerpunkt seiner Arbeit liegt bis heute auf der Behandlung von Kindern mit orthopädischen Erkrankungen sowie auf der medizinischen Ausbildung. Besonders wichtig ist ihm die Zusammenarbeit auf Augenhöhe mit lokalen Fachkräften.
Eindrücke von Land und Menschen
Die Menschen in der Ukraine beschreibt Prof. Exner als offen, zugewandt und nicht nachtragend – trotz der historischen Belastungen durch den Zweiten Weltkrieg. Besonders im Westen des Landes hat sich der Alltag über viele Jahre hinweg nur langsam verändert. Seit Beginn des Angriffskrieges versuchen die Menschen, ihr Leben möglichst normal weiterzuführen, selbst bei Stromausfällen und vereinzelten Zerstörungen.
Auswirkungen des Krieges auf Kinder und Medizin
Kurz nach Kriegsbeginn war Prof. Exner vor Ort, als Kinder – vor allem onkologische Patient:innen – aus dem Osten in westliche Spitäler verlegt wurden. Heute werden kriegsverletzte Kinder überwiegend in der Ukraine selbst behandelt. Aufgrund langer Transportzeiten sind rekonstruktive Eingriffe oft nicht möglich; häufig bleibt als einzige Möglichkeit die Amputation. Die medizinische Versorgung wird massgeblich durch engagierte lokale Ärzte getragen, die auch vom Hilfswerk Ukraine unterstützt werden.
Psychologische Situation und gesellschaftliche Haltung
Fragen zur politischen Zukunft werden kaum diskutiert, da sie als nicht beeinflussbar empfunden werden. Gleichzeitig geben die Menschen nicht auf. Ähnlich wie Kinder in anderen Kriegsgebieten entwickeln die Kinder eine Anpassungsfähigkeit, deren langfristige psychische Folgen erst nach einem möglichen Frieden sichtbar werden dürften.
Warum Unterstützung für die Ukraine?
Auf die Frage, warum gerade die Ukraine unterstützt werden sollte, betont Prof. Exner: Entscheidend seien Nähe und Verlässlichkeit. Das Hilfswerk Ukraine garantiere, dass Spenden vollständig und zielgerichtet bei konkreten Projekten ankommen. Diese Transparenz unterscheide nachhaltige Hilfe von kurzfristigem „Voluntourismus“. Unterstützung sei besonders sinnvoll, wo langfristige Strukturen aufgebaut und begleitet werden.
Nachhaltigkeit der Hilfsprojekte
Als Beispiele für erfolgsversprechende, nachhaltige Projekte nennt Prof. Exner:
- Das Kinderheim Livchitsy, das stabile Lebensbedingungen und Perspektiven bietet.
- Verbesserungen in der medizinischen Infrastruktur, etwa durch neue Geräte und Ausbildungsmöglichkeiten.
- Hochqualifizierte lokale Ärzt:innen, deren Fähigkeiten durch kontinuierliche Zusammenarbeit weiterentwickelt werden.
Diese Projekte hätten langfristige Wirkung und seien mehr als kurzfristige Nothilfe.
Schlussbemerkung
Prof. Exner äussert grosse Wertschätzung für die Arbeit des Hilfswerks Ukraine, der lokalen Partner und der beteiligten Organisationen. Sein Engagement versteht er nicht als Wohltätigkeit, sondern als sinnvolle, fachlich relevante Arbeit mit nachhaltigem Nutzen für die Menschen vor Ort.
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